Die Lüchsin 

Rezensionen

10.12.2019 Gerade ist eine brandneue Rezension zu meinem Roman „Die Lüchsin“ erschienen! Eine, wie ich finde, tolle, detailreiche und umfassende Kritik!

Hier sind die Links dazu:

https://www.lovelybooks.de/autor/Ruprecht-G%C3%BCnther/Die-L%C3%BCchsin-1353439405-w/rezension/2413914695/

https://www.amazon.de/review/R2DFXJBHJOT2E6/ref=pe_1604851_66412761_cm_rv_eml_rv0_rv

Kurzmeinung: Gut durchdachte Dystopie, die mich immer wieder durch ihre Komplexität überraschen konnte
 
Zukunft trifft antike Vorstellungen

*Irgendwann würde er die geheimnisvolle Betriebsanleitung des Lebens entwirren. Er würde dem lieben Gott über die Schulter spähen; und nicht nur das. Eines Tages würde er selbst Schöpfer sein. Der Demiurg einer unbekannten neuen Welt…*

Berlin in naher Zukunft: Nach dem Zusammenbruch der alten Gesellschaft herrscht ein neues System in Europa. Ein neues Athen der Klassik soll errichtet werden – das die Wissenschaften und die Philosophie in den Vordergrund stellt. In dieser neuen Welt erleben vier jugendliche Obdachlose ebenso wie ein junger Hochbegabter, wie ein kurzer Moment alles ändern kann. Der intelligente Daniel wird ausgewählt für eine Eliteausbildung und sieht das System von einer anderen Seite. Die vier K´s hingegen finden ein seltsames Wesen – halb Mädchen, halb Lüchsin – und beschließen sie zusammen mit ihrem Streetworker Bruno zu verstecken. Damit geraten sie ins Visier eines Mannes, der viel mehr will, als den Aufbau einer neuen Gesellschaft.

Die Geschichte wird über unterschiedliche Handlungsstränge erzählt. Zum einen sind da Klumpe und ihre Freunde, die zu den zahlreichen Obdachlosen gehören. Sie leben in den Tag hinein und arrangieren sich mit ihrer Situation. Durch ihren Hintergrund bringen sie erst einmal eine etwas derbe Sprache mit in die Geschichte und waren zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Das Auffinden der Lüchsin bringt besonders bei Klumpe, dem Mädchen in der Truppe, eine sympathische Seite hervor. 

Einen anderen Part der Geschichte nimmt Daniel ein. Bisher ist es ihm gelungen, seine Intelligenz zu verstecken. Doch dann bringt ihn ein Test auf die Insel – den Bereich der Stadt, der alles dafür tut, die zukünftigen Mächtigen auszubilden. Im ersten Moment noch angetan von den neuen Möglichkeiten sieht er das System bald schon kritischer. Auch seine Mutter muss erkennen, welche negativen Seiten die neue Gesellschaft mit sich bringt. 

Die neue Weltordnung fügt sich erst langsam zu einem großen Ganzen zusammen. Als Straßenbewohner können die vier K´s zu Beginn wenig Einblicke geben. Auch Bruno, als Streetworker, kennt nur manche Facetten der neuen Gesellschaft. Er ist es aber, der als erstes auch die problematischen Seiten anspricht. Daniel ist noch sehr jung und in vielerlei Hinsicht auch naiv. Seine Mutter aber weiß um menschenunwürdige Eingriffe in das Leben. Sie ist es, die bald schon erfährt, was es heißt, sich gegen das System zu stellen. 

Mit jedem Detail, das sich in Bezug auf die neue Ordnung auftut, kommt ein mulmiges Gefühl auf. Gerade hier habe ich eine große Diskrepanz erlebt, schließlich fand ich den Gedanken, ein System aufzubauen, das der Bildung und den Wissenschaften einen hohen Stellenwert einräumt, eigentlich ansprechend. Doch hier wird ersichtlich, wie hoch der Preis dafür ist. Die Anlehnung an die klassische Antike spiegelt sich nicht nur in der Beschreibung der Elite, sondern immer wieder auch in kleinen Details, die die negative Seite davon zeigen. Allerdings bringt die Grundidee zum neuen System auch viele interessante Informationen zur Philosophie Platons und zum historischen Solon mit sich. 

Die Eröffnungen über das System fallen stückchenweise aus. Im Gegensatz dazu werden die Charaktere gleich mit einem ausführlichem Hintergrund versehen. Dieser stellt ihre Handlungen in ein neues Licht, besonders auch, weil das Leben vielen von ihnen nicht gut mitgespielt hat. Misshandlungen – in vielerlei Form – gehören zu einigen Lebensläufen dazu und prägen die Charaktere. Auch der Gegner, der der Gang und Bruno auf Grund der Lüchsin gefährlich wird, kommt zu Wort. Er wird zwar nicht namentlich genannt, kann aber seine Geschichte erzählen, die in manchen Punkten Parallelen zum Schicksal der anderen aufweist. Hier finden sich all jene Verstrickungen wieder, die einen großen Geist dazu brachten, einen Traum in die Wirklichkeit zu verwandeln, koste es, was es wolle.

Auch wenn viele der Charaktere im Laufe der Geschichte eine Wandlung durchmachen, ist diese bei der Lüchsin am auffallendsten. Für mich war es gleich von Beginn an etwas befremdlich mir ein Mischwesen aus Mensch und Tier vorzustellen, besonders auch, weil alle sie automatisch wie ein Tier behandelt haben. So habe ich mich deutlich wohler dabei gefühlt, als sie ihre menschliche Seite gezeigt hat und die anderen sie auch dementsprechend behandelt haben. 

Zu Beginn widmet sich die Geschichte der Vorstellung der Charaktere und der Änderungen in ihrem Leben. Dass diese auch eine Wandlung in ihren Vorstellungen mit sich brachte fand ich sehr interessant. Mit dem Auftauchen (samt weitreichende Hintergrundgeschichte) des Mannes, der für die Entstehung der Lüchsin verantwortlich ist, kam eine unterschwellige Gefahr mit in die Szenen, die sich – wenn auch aus anderen Gründen – auch in den Handlungsabschnitt rund um Daniel zog. Das Aufdecken der Hintergründe und damit auch das Zusammenführen der einzelnen Handlungsstränge erfolgt Stück für Stück und bleibt von einem Hauch Gefahr umgeben. Das Ende brachte eine Auflösung, mit der ich nur zum Teil gerechnet hatte. Auch die Zusammenhänge zwischen den Charakteren war persönlicher als gedacht. 

Fazit: Der dystopische Roman ist bei weitem komplexer aufgebaut, als ich zu Beginn dachte. Die neue Gesellschaft aber auch die auftretenden Charaktere haben einen gut durchdachten Hintergrund, der sich langsam auch dem Leser erschließt. Zusammen mit der Gefahr, die immer wieder unterschwellig angedeutet wird, ergab sich ein Roman ganz nach meinem Geschmack.

 

 Rezension am 11.03.2018 auf dem Literaturblog „SchizotheKare“: „Die Lüchsin“

https://schizothekare.wordpress.com/2018/03/11/ruprecht-guenther-die-luechsin/

Man stelle sich vor man lebt in einer Ära des Elitarismus. Staaten wie wir sie kennen, existieren nicht mehr. Die Regierungen wurden zerstört und es herrscht ein Kreis von Wenigen, die die Geschicke Europas lenken.

Die im Übrigen auch niemand so wirklich kennt und greifen kann.

Weiterhin stelle man sich vor, dass das Äußern von Kritik dazu führen kann, dass sein Leben zerstört wird und man den Boden unter den Füßen verliert.

Furchtbare Vorstellung. Hatten wir ja leider in der Vergangenheit schon mal. Hier geht es aber auch so weit, dass die Leute auf besondere Art und Weise verschwinden…ihnen wird das Gedächtnis gelöscht und sie vegetieren unter den Augen des Staates weiter vor sich hin.

Intelligenz und Talent werden in einem beunruhigendem Maß gefördert und Kinder erfahren in den Institutionen, welche sie durchlaufen müssen, eine erschreckende Indoktrinierung.

Sie durchlaufen einen Test und landen abgeschottet auf der „Insel“. Nur die Personen, die es dorthin schaffen, haben auch ein gutes Leben nach dem Abschluss und können in der Gesellschaft was werden.

Wenn man sich also all das vorgestellt hat, ist man mittendrin in Ruprecht Günthers Gesellschaftsutopie „Die Lüchsin“.

Utopie würde ich das Ganze aber nun wirklich nicht nennen, liebe Apos. Dystopie trifft es wohl eindeutig besser.

Ich denke, darüber kann man sich vortrefflich streiten. Nur leider würde das hier den Rahmen sprengen. Einigen wir uns doch auf eine Dutopie!

Wie gesagt, die Menschen, die ganz normal sind, bleiben auf der Strecke. So auch unsere genial gezeichneten Charaktere in der Geschichte. Klumpe, Klotze, Keule und Kalle leben nach einigen Schicksalsschlägen auf der Straße. Niemand kümmert sich um sie und dennoch sind sie zufrieden mit ihrem Dasein. Der einzige Lichtblick ist ihr Sozialarbeiter und die Abenteuer, die sie erleben. Unter anderem das Auffinden einer „Lüchsin“

Auch genannt Lu. Ein Genexperiment aus Mensch und Luchs wird von den Freunden eines Nachts nicht weit entfernt vom zerbombten Bundestag gefunden. Die Rettung, der Verbleib und die Zukunft dieses einzigartigen Geschöpfes fesselt den Leser und treibt ihn von einer Seite zur nächsten.

Dieses Buch hat uns wirklich umgehauen. So wirklich wussten wir gar nicht was uns erwartet. Aber, dass was wir erleben durften war einfach ein absolutes Highlight. Man erlebt nicht nur eine Episode der Protagonisten.

Kurz sei hier noch dazwischen geworfen, dass die Perspektive zwischen den verschiedenen Figuren wechselt und die Geschichte so noch plastischer und vielschichtiger wird.

Auch erfährt man um die Hintergründe des Staates und der wissenschaftliche Aspekt kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Alles in Allem wird man von Beginn an in eine Geschichte geworfen, die einen nicht mehr loslässt und deren Auflösung ein fulminantes Ende bereithält.

Genau das ist es, was wir von einem guten Werk erwarten.